Dr. Wolfgang Wiedmann

Rechtsanwalt


Klage gegen Barclays wegen X1 Zertifikat

Im Juli 2011 wurde Helmut Kiener vom Landgericht Würzburg wegen Betrug und Urkundenfälschung im Zusammenhang mit der zusammengebrochenen K1 Fonds Gruppe zu 10 Jahren und 8 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Die Barclays Bank hatte den K1 Fonds mit ihrem X1 Zertifikat abgebildet. Anleger haben damit Totalverlust erlitten. Jetzt wurden von der Kanzlei Dr. Wiedmann die ersten Klagen von Geschädigten gegen Barclays eingereicht.

Die Ansprüche der Geschädigten stützen sich auf mangelnde Sorgfaltspflicht seitens Barclays bei der Auswahl und Überprüfung der abgebildeten Fonds des Herrn Kiener und bei der Verwendung der Anlagegelder. Kiener hatte, wie er im Strafprozess gestanden hat, ein Schneeballsystem aufgebaut und die Gelder nicht wie im Prospekt angegeben in verschiedene internationale Hedgefonds investiert sonder in eigene Subfonds, von wo sie wieder an ihn zurückflossen. Von den 345 Mio Euro, die den Kiener Fonds zugeflossen waren konnte die Staatsanwaltschaft nur noch 2,5 Mio Euro sicherstellen. Der Rest war versickert.

Nun wenden sich Anleger an Barclays, die mit ihrem Namen den Betrüger Kiener salonfähig gemacht haben, indem sie als Barclays Bank das X1 Zertifikat auf Kieners K1 Fonds aufgelegt hatten. Schon im Jahre 2001 hatte die BaFin gegen Kiener ermittelt und ihm ein Fondsmanagement untersagt. Darüber und über die gefälschten Angaben zu seinen Fonds hatte Barclays die Augen verschlossen. Hätten sie die abgebildeten Fonds und die Verwendung der Mittel entsprechend den Angaben im Prospekt überprüft, dann hätten sie gemerkt, dass Kieners System ein Bluff war, sagte ein ehemaliger Mitarbeiter von Barclays im Prozess aus.

Nun muss sich Barclays wegen schwerwiegender Verletzung ihrer Kontrollpflichten und als sog ‚Systemunterstützer‘ der Kiener Fonds selbst vor Gericht verantworten. Wenn das von Kiener aufgebaute Schneeballsystem sittenwidrig war, dann muss es auch das Zertifikat von Barclays sein, welches das Schneeballsystem abbildet, argumentiert Rechtsanwalt Dr. Wiedmann. Es wäre zu einfach, wollte man sich die Früchte von Straftaten dadurch sichern, dass man einfach ein Zertifikat darüber stülpt.

Noch bis zum 28.4.2010, als Kiener längst in Untersuchungshaft saß, hatte Barclays Kurse für ihr X1 Zertifikat gestellt, die Papiere aber längst nicht mehr zurück genommen. So hat man viele Anleger in dem Glauben gelassen, dass ihr Zertifikat vielleicht doch noch werthaltig sei. Am 29.4.2010 wurde der Wert dann plötzlich auf Null gesetzt.

Erst jüngst hat der BGH in einem noch nicht veröffentlichten Urteil die Haftung für die Inanspruchnahme von Anlegervertrauen durch prominente Werbeträger ausgedehnt und den Begriff des Emissionsprospekts entsprechend weiter gefasst (sog. Prominentenhaftung). in dem entschiedenen Fall war es ein prominenter Politiker, der für ein Anlageprodukt geworben hatte. Es wird erwartet, dass diese verbraucherfreundliche Rechtsprechung erst recht auch auf ‚prominente Banken‘ angewandt wird.