Dr. Wolfgang Wiedmann

Rechtsanwalt


Inflation oder Deflation

Wirtschaft und Börsenkurse befinden sich seit dem Jahr 2000 in einem langfristigen Abwärtstrend, der nach Ansicht einiger Wirtschaftstheoretiker noch einige Jahre andauern kann und in seinem Ausmaß bekannte Rezessionsszenarien sprengen könnte. So die Wellentheoretiker, die ihre Vision auf der Betrachtung von Langfristzyklen aufbauen. Danach soll der Deflation eine tiefe Depression mit einem weitgehenden Vermögensverfall aller Assets folgen. Ein Zerfall der europäischen Währungsunion oder gar der europäischen Staatengemeinschaft wird nicht ausgeschlossen.

Was soll der Unsinn sagen Sie ? Hätte ich auch gesagt, wenn mir vor 15 Jahren jemand erzält hätte, dass Immobilien in Deutschland mehr als die Hälfte an Wert verlieren. Und sie haben verloren. Investieren in Rohstoffe, in Aktien, Geld pumpen, sich hoch verschulden und alles auf eine Karte setzen. Im Casino Royal mit den Investmentbanken und Hedge Fonds mitspielen. Wenn Sie Glück haben und gewinnen, liegen sie bald mit diesen Akteuren auf den Bahamas in der Sonne, verlieren Sie, ziehen Sie nach England, melden dort Insolvenz an und sind in einem Jahr schuldenfrei. Kein Risiko also. Aber ist das der Weg, den man mit seinem Gewissen vereinbaren kann ?

Nach dem letzten langen Aufschwung platzte 2000 die große Blase, die Technologie und Dotcomblase. Die damalige New Economy hat sich in Luft aufgelösst. Der darauf folgenden Rezession begegnete man von staatlicher Seite mit billigem Geld und ließ damit die nächste Blase, die Private Equity und Immobilienblasen mit all den bekannten Auswüchsen entstehen. Diese Blase zerplatzte 2008 und risse die Finanzmärkte, allen voran die Banken, in den Abgrund. Mit Steuergeldern und noch niedrigeren Zinsen wurden diese vor dem Kollaps gerettet, bislang.

Die nächste Konjunkturwelle nach oben begann im März 2009 und führte zu Kursanstiegen an den Börsen in einer Größenordnung wie man sie vorher nicht kannte. Banken spekulieren wieder mit geliehenem billigen Geld. Üppige Boni fließen wieder in die Taschen der Akteure. Kasino Royal dreht sich wieder, bis es dann wieder heisst: nichts geht mehr. Dann werden wieder viele Verlierer nach dem Staat rufen. Wird er sie dann wieder retten ?

Wohl nicht, denn einige Staaten werden dann auch pleite sein. Manche sind es jetzt schon, pumpen sich weiter auf mit geliehenem Geld. Sie wissen wohl, dass das Fass voll ist aber was soll’s, die Geschichte kennt ja viele Beispiele: Nach einer kurzen heftigen Katastrophe, einem Krieg, einer Währungsreform ging es wieder aufwärts. So haben sich Staaten ihrer Schulden entledigt. Wird es wieder so kommen ?

Leider sehen wir schon wieder viele Anzeichen einer Tendenz in diese Richtung: Arbeitslosigkeit, soziale Unzufriedenheit, Verteilungskämpfe, Vermögensverfall, Insolvenzen, Geburtenrückgang, Bespitzelungen und Kriminalisierung staatlichen Handelns wie den Ankauf von Diebesgut zum Zwecke der Steuereintreibung, ein gefährliches Spiel.

Ihren Schulden können sich Staaten durch Inflation entledigen. Preise und Sachvermögen steigen die Schulden werden im gleichen Zug weniger. So könnte sich das System retten. Verlierer sind dann die Forderungsinhaber also die Inhaber von Schatzbriefen, Anleihen, etc. all diejenigen, die an den Staat geglaubt und ihm vertraut haben. Noch ist es offen, auf welches Übel wir zusteuern: Inflation oder Depression. Nur eines wissen wir, das Übel wird irgend wann kommen.

Es spricht also doch vieles dafür, dass das von einigen Theoretikern beschrieben Horror-Szenario wahr werden kann. Bis es soweit ist, werden aber noch ein paar kleinere Wellen an Börsen und Märkten kommen, auf und ab. Es gilt auf der Hut zu bleiben und mit zu surfen auf der Welle, nach oben oder nach unten. Nur sollte man rechtzeitig abspringen, bevor die Welle bricht.