Dr. Wolfgang Wiedmann

Rechtsanwalt


Anleger trägt Veruntreuungsrisiko des Fondsmanagers

Barclays hatte mit dem Global X 1 Index Zertifikat einen Hedge Fonds des Helmut Kiener abgebildet. Kiener hat allerdings die Fondsgelder nicht angelegt und mittels einem Schneeballsystem veruntreut. Fondsanteile und Zertifikatanteile wurden wertlos. Kiener wurde deswegen zu 10 Jahren und 8 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Er galt als der deutsche Maddoff. Letzterer wurde in den USA zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt.

Nach Ansicht des Landgerichts Frankfurt ist die Bank als Emittentin des Zertifikats gegenüber den Anlegern nicht in der Verantwortung. Eine Verpflichtung, die Tätigkeit des Fondsmanagers zu überwachen, bestand nach Ansicht des Landgerichts nicht. Sowohl das Marktrisiko als auch das
Veruntreuungsrisiko durch den Index-Manager bzw. seiner Mitarbeiter trägt allein der Anleger, führt das Landgericht in seiner Urteilsbegründung wörtlich aus.

Das Zertifikat bildet den Fonds 1:1 ab und teilt das Schicksal des Fonds, wirtschaftlich, nicht aber juristisch. Wenn der mit dem Zertifikat abgebildete Fonds wegen strafbarer Handlung wie hier die Veruntreuung der Gelder durch ein Schneeballsystem nichtig ist, erstreckt sich diese Nichtigkeit nach Ansicht des Landgerichts Frankfurt nicht auf das damit ‚untrennbar zusammenhängende‘ Zertifikat. Das Gericht hat damit den Rechtsgedanken der §§ 138, 139 BGB völlig verkannt.

Dieses Urteil würde in letzter Konsequenz bedeuten, dass mit Zertifikaten alles abgebildet werden kann, auch sittenwidrige Geschäfte und Straftaten wie Unterschlagung, Drogenhandel etc. Der Emittent des Zertifikats muss nur seine Augen verschließen und nichts fragen, nichts hören und nichts sehen, was beim abgebildeten Index passiert. Die Klausel im Emissionsprospekt, dass der Erwerb der Zertifikate mit erheblichen Risiken behaftet ist und die Möglichkeit des Totalverlustes besteht, reicht dem Landgericht für eine Haftungsfreizeichnung der Bank aus.

Ergebnis, Fondsmanager Kiener hat die Fondsgelder veruntreut und gut davon gelebt, muss allerdings ein paar Jahre dafür absitzen. Die Bank darf die für die Zertifikate vereinnahmten Gelder, insgesamt über 80 Mio Euro behalten, denn sie hat wie die drei Affen die Augen und Ohren verschlossen und nicht nachgefragt. Der Anleger soll wieder der Dumme sein und auf dem Schaden sitzen bleiben.

So stellen wir uns Anlegerschutz nicht vor. Das Verfahren ist nun beim Oberlandesgericht Frankfurt in der Berufungsinstanz anhängig.